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Prolog
Sturmangriff
Die ersten 10 Jahre
Die nächsten 10 Jahre
Studium und Ausbildung
Beam me up, Amy……
Family Television Award 2001
Ich arbeite, also bin ich……
Ein Leben nach "Gilmore girls"
„Rede, dass ich Dich sehe….“
   
„Wir können einander verstehen, aber deuten kann jeder nur sich selbst“.
(Hermann Hesse, „Demian“)
 
     
  Es gibt sie wie Sand am Meer! Wie Körner am Strand glitzern sie. Jedes für sich einzigartig, doch in der Masse unscheinbar. Schauspielerinnen in amerikanischen Fernsehserien. Wer kann sich an ihre Gesichter erinnern? Wer ordnet noch die richtigen Namen zu? Jung, charmant, sexy, bisweilen mäßig talentiert. Mit der Serie wachsen sie heran – vielleicht zum Star? Zum Megastar? Oder doch nur zu einer Sternschnuppe, die fallend in einem hellen Schweif verglüht?

Die Serien kommen und gehen, Erfolg hat, was gefällt. Was gefällt ist nicht vorhersehbar. Manchmal braucht Erfolg Zeit, doch diese hat man in der Fernsehbranche nicht. Zeit ist genauso vergänglich wie die Serien und mit den Serien gehen die Schauspieler. So schließt sich der Kreis. Sie tauchen auf, sie tauchen ab. Vielleicht haben sie ihr Publikum für kurze Zeit bewegt, Freude gebracht, allein, durch ihre Anwesenheit. Im Grunde eine schöne Sache.

Hinter diesen Schauspielern stecken Menschen und ein jeder von ihnen ist einzigartig und wäre es wert, dass seine Geschichte erzählt wird. Obwohl sie uns so außergewöhnlich erscheinen, sind sie doch ganz normal, real, menschlich. Der eine mehr, der andere weniger, je nach Grad des Erfolges und Brimboriums, das um ihn gemacht wird.

Dennoch hat man eine bestimmter Wahrnehmung, die Aufsehen erregt. Was einen veranlasst, zu forschen, zu fragen, einen Blick zu riskieren. Dieser Blick ist wiederum durch Medien gefiltert, selektiert, objektiviert, verfremdet. Wer weiß schon, was, wann, wo und wie gesagt wurde?

Ich kenne Lauren Graham nicht persönlich, ich kenne auch niemanden, der sie persönlich kennt. Ich habe nur das Internet, Artikel, Berichte, Interviews, Talkshows und da begegnet man der Professionellen, die die Öffentlichkeit für ihre Zwecke nutzt. Sich darstellt, spielt, schmeichelt oder einfach als „sich selbst“ ausgibt.

Um Laurens Geschichte zu erzählen, fange ich vorne an und hangel mich durch eine Kindheit, die nicht außergewöhnlich, aber prägend genug war, um sie zu dem zu machen, was wir als Lauren Graham glauben zu sehen. Ich will eine Geschichte erzählen, die nicht frei erfunden ist, sondern sich um einen wirklichen, einmaligen und lebenden Menschen handelt. Dass hinter ihren Gesichtszügen ein kreativer Geist mit seinen Eigenarten steckt.
 
   
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  Sturmangriff  
     
  Ihre Augen sprühen vor Angriffslust, es kann einem fast Angst und Bange werden, man sieht einen Sturm heraufziehen und tatsächlich: so gleich ergießt sich ein unbändiger Redeschwall, ohne Punkt und Komma, die Worte wie Gewehrsalven, die Arme wild gestikulierend. Dieser Frau will man nicht gegenüberstehen, wenn sie in Fahrt gerät. Und doch steckt ihre Art an, die Funken, die sie schlägt, springen über. Dieser Flächenbrand ist schwer zu löschen.

"Lorelai Gilmore" ist kein einfacher Charakter. Sie ist latent unberechenbar, launisch, immer zum Sprung bereit, in ihrer Welt chaotisch. Dennoch: selten verströmt ein Mensch ein solch liebenswürdiges Chaos wie sie.

"Lorelai Gilmore" ist Lauren Graham oder ist Lauren Graham "Lorelai Gilmore"? Wo Lauren aufhört und "Lorelai" anfängt, können selbst ihre Schauspielerkollegen nicht immer genau sagen. Irgendwo zwischen Himmel und der nächsten Szene. Diese „Ehe“ zwischen Charakter und Darstellerin ist nahezu perfekt. Konnten die Produzenten von Warner Bros. ahnen, als sie im Jahre 2000 für ihre neue Fernsehserie „The Gilmore Girls“ Lauren Graham casteten, dass hier die Chemie entsteht, die den Erfolg der Serie ausmachen wird?

Konnte Lauren ahnen, dass nach etlichen kurzen Gastspielen in wenig erfolgreichen Serien hier der lang ersehnte Durchbruch eintreten würde? Konnten es damals ihre Eltern, Donna Grant und Lawrence Graham ahnen, als Lauren das Licht der Welt erblickte? Wenn, dann hätten sie ihrem Kind gleich Kaffee in die Nuckiflasche gegossen. Früh übt sich, wer ein Meister werden will.
 
   
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  Die ersten 10 Jahre  
     
  Lauren Helen Graham wird am 16.3.1967 in Honolulu/Hawaii geboren, einen Tag vor dem irischen Nationalfeiertag „St. Patricks Day “.Als Kind einer baptistisch-irisch-katholischen Familie mit entsprechendem Nationalgefühl hätte der Zeitpunkt nicht besser sein können.

 
 
Bild vergrößern   Die junge Familie verbrachte berufsbedingt durch Lawrence die Zeit auf der amerikanischen Nordpazifik Insel. Die Grahams siedelten nach Virginia über, die Ehe geriet ins Straucheln und zerbrach. Mit 28 Jahren sah sich Lawrence einer Situation ausgesetzt, die für seine Zeit mehr als ungewöhnlich war: er wurde allein erziehender Vater der 5 jährigen Tochter Lauren.
 
     
     
  Donna Grant wurde als älteste von 4 Töchtern (Angela, Deborah und Kitty) in eine baptistische Missionarsfamilie in South Carolina/US geboren. Ihre Eltern, Kathryn und Worth, sind engagierte Christen, die ihr Leben nach dem Willen Gottes und nach den Erfordernissen der baptistischen Mission ausrichten. Im missionarischen Auftrag zog die Familie nach Japan und verbrachten dort 20 Jahre. Die jüngste Tochter Kitty wurde dort geboren.

Kathryn Grant schreibt in ihrem Buch “Making the most of the best of your life“ (1990), dass es für ihre Kinder keine leichte Zeit gewesen wäre, sich in eine neuen Kultur, die der amerikanischen so fremd ist, einzugliedern. Dennoch hatten sie in Japan eine sehr glückliche Zeit.

Donna kehrte zum Studium nach Amerika auf die Furman Universität, Greenville, S.C., zurück. Sie ist auf sich allein gestellt, die Trennung von ihrer Familie machte ihr anfänglich schwer zu schaffen. Zudem musste sie sich wieder in eine Kultur und Gesellschaft eingliedern, die ihr über die Jahre fremd geworden war.

War die frühe Heirat mit Lawrence ein Kompensationsversuch, um die fehlende Geborgenheit der Familie zu ersetzen?

Donna empfand Ehe und Familie als einengend und mochte sich künstlerisch Weiterentwicklen. Kein hässlicher Scheidungskrieg folgte, Lawrence war in der besseren finanziellen Situation und so bildete er mit der kleinen Tochter zukünftig sein eigenes Universum.

Die Scheidung hinterlässt bei Großmutter Kathryn ein tiefes Gefühl von eigenem mütterlichen Versagen, denn ihre christlichen Überzeugungen über Mutterschaft, Ehe und Familie lassen sich nicht mit der Tatsache einer Scheidung übereinbringen.

Besondere Ironie: die baptistische Gemeinde Washington schlug Kathryn zur „Mutter des Jahres“ für den Distrikt Columbia vor, die eine nationale Nominierung zu Folge haben könnte.

Doch für Kathryn ist eine „Mutter des Jahres“ eine „Supermutter“: die backt und kocht, den Haushalt alleine versorgt, sich um ihren Mann und die Kinder kümmert und ein harmonisches Heim schafft.

Sie aber hatte Haushaltshilfen und Babysitter in Japan und einen Ehemann, der sich aktiv ins Familienleben einbrachte. Und: so eine Mutter hat keine Tochter, die sich scheiden lässt!

Nach langem Zögern und gutem Zureden ihrer Töchter nahm sie die Nominierung an, wurde aber auf nationaler Ebene nicht gewählt.

Kathryn Grant ist eine engagierte Persönlichkeit, die sich für ihre Überzeugungen voll einsetzt. Vielleicht eine Auswirkung ihrer eigenen Herkunftsfamilie, denn ihr Vater, Walton Murff Stephens, war Mitglied des Parlaments und später Senator von South Carolina.

Sie wuchs in einer christlich-baptistischen Familie mit 2 Schwestern und einem Bruder in Abbeville, S.C. auf. Kirchenbesuche sowie Bet- und Bibelstunden waren wichtige Bestandteile des Familienlebens der Stephens.

Obwohl nach traditionellen Rollenbildern strukturiert und geprägt, vermittelte Vater Stephens seiner Tochter eine wichtige Lektion: Frauen können ebenso wie Männer eine Führungsposition einnehmen. Geschlecht ist kein Hemmnis. Obwohl die Realität in diesen Zeiten definitiv anders aussah, Kathryn verfolgte ihre Ziele mit großem Engagement und ließ sich nicht von männlichen Rollenklischees beirren.

Sie setzte sich für die Rechte von benachteiligten und unterdrückten Frauen ein, entwickelte im Rahmen ihrer kirchlichen Arbeit Programme gegen Missbrauch und häusliche Gewalt.

Ihr Ehemann, Worth Grant, war von seiner Berufung zum Missionar von frühester Jugend an überzeugt. Er war ein stattlicher Mann, ein Footballplayer im College und dazu ein kluger Kopf: seinen Abschluss machte er mit „cum laude“.

Durch einen gemeinsamen Bekannten lernte er Kathryn kennen.Über die Jahre bauten die beiden, teilweise einzig durch Briefkontakt, eine innige Freundschaft auf, die schlussendlich in eine Ehe mündete. Auf die Frage, was ihre Ehe so lange und erfolgrecih hat wachsen lassen, antwortete Kathryn, die Liebe und das Vertrauen in Gott.

Doch das Leben nimmt manchmal andere Wendungen. Trotz Scheidung und Sorgerecht für Lawrence hielten Großeltern Grant den Kontakt zu Lauren über die Jahre intensiv aufrecht. Sie schrieben Briefe und packten Zeitungsartikel dazu, von denen sie glaubten, dass sie Lauren interessieren könnte.

 
     
  Lawrence Graham, Jahrgang 1943, stammt aus einer typisch amerikanischen Mittelstandsfamilie: 2 Brüder, Mutter Hausfrau, Vater Cheftrainer einer Highschool im Umland von Valley Stream, N.Y. (Long Island).

Er studierte Jura an diversen angesehenen Universitäten des Landes. Ein ambitionierter junger Mann mit einer aussichtsreichen Karriere als Anwalt.

Lawrence kannte zwar die Gesetzte, war als Lobbyist u.a. für die Textilindustrie tätig, aber ein Mädchen zu erziehen, das war für ihn eine Herausforderung, die er sich stellen musste und in der er nicht versagen wollte. Es entstand eine besondere Dynamik, diese Vater-Tochter-Beziehung funktionierte nach ihren eigenen Regeln und sie funktionierte gut!

„Ich war mir bewusst, dass meine Situation ungewöhnlich war, aber im Allgemeinen war ich sehr glücklich, von meinem Vater alleine erzogen worden zu sein…Obwohl ich strikte Regeln hatte, wuchs ich viel entspannter auf als andere Kinder. Mein Vater war so bemüht als allein erziehender Vater nicht zu scheitern, dass er sich doppelt anstrengte. Ich hatte die besten Pyjama-Partys, denn mein Vater ließ uns allein und stand morgens früh auf, um Pfannkuchen zu machen. Die meisten Kinder fanden meinen Vater cool und lustig und meistens machte mich unsere familiäre Situation eher einzigartig als eigenartig.“

Wenn Lauren heute über ihren Vater und ihre Kindheit spricht, dann schwingt Bewunderung und innige Liebe in ihren Worten. Obwohl sie es sich nicht verkneifen kann, ihr Haus in Arlington/Virginia seinerzeit als „Junggesellenbude“ zu bezeichnen:

„Wir hatten eine weiße Ledercouch im Wohnzimmer und keine Bestecke, die zusammen passten. Wir hatten auch keinen Stuhl, wo man die Füße hochlegen und mit dem Hund kuscheln konnte.“

Die Welt schien bestimmt durch männlichen Pragmatismus: keine Mutter, die Wohnzimmer dekorierte, das Essen pünktlich auf den Tisch stellte und dem Kind die Rüschenkleider stärkte.

Dafür einen Vater, der seiner Tochter allabendlich vorlas, so dass Lauren mit 4 ½ Jahren bereits selbst lesen konnte und vorzeitig den Kindergarten verließ. Der seine Tochter mit ins Theater und Museum nahm,selbst zu Geschäftsessen, wenn kein Babysitter zur Stelle war.

Ein Vater, der Werte wie Anstand, Fairness und Disziplin vermittelte. Der Mut machte, nicht mit der Masse zu schwimmen, nicht mit den Wölfen zu heulen, sondern neugierig zu sein auf die Welt da draußen.Einer, der ihre Stärken beschwor. Lawrence war kein gestrenger Disziplinär, Schreien und Toben nicht seine Art. Für Lauren war das schlimmste, wenn er sagte, sie hätte ihn enttäuscht.
 
     
  Auch wenn ein permanenter weiblicher Einfluss fehlte, Großmütter und Tanten standen den beiden zu Seite, Donna war sporadisch in Laurens Leben als Mutter anwesend.

Da halfen Verkäuferinnen, die Schulkleidung auszusuchen oder Lehrerinnen gaben dem Vater Tipps, wie man Laurens Haare bändigen könnte.

 
 
Bild vergrößern   Diese „irischen“ Haare, wild, gekräuselt, bisweilen widerspenstig. Man könnte meinen, wie das Land, so seine Menschen mit ihren Attributen.

Die Brüder von Lawrence hatten auch Kinder, die Ferien verbrachte man gerne gemeinsam, dann wurde das Einzelkind in eine Großfamilie aufgenommen.
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  Lauren wuchs als so genannter „Tomboy“ auf. Bäume wurden erklommen und wilde Spiele veranstaltet. Einzig die Zöpfe erinnerten an ein Mädchen. Und ihre Vorliebe: Pferde!

In Virginia, International bekannt für seine ausgezeichnete Pferdezucht, ist die Liebe zu diesen Tieren essentiell.

Obwohl Lawrence gegen Pferde allergisch ist, begleitete er seine Tochter, stand niesend und mit tränenden Augen am Rand und sah ihr beim reiten zu.

Lauren wäre gerne Jockey geworden, das rasante Daherkommen schien ihr ein geeigneter Beruf zu sein. Doch ihre zunehmende Körpergröße von heute 1,80 m machte diesen Wunsch zunichte.

Wie andere Kinder einen imaginären Freund haben, so hatte Lauren ein imaginäres Pferd, genannt „Strawberry“.

„Ich hatte keine Angst vor Pferden. Seit ich 6 Jahre alt bin, jage ich den Dingen nach, suche die Herausforderungen, die mich das fürchten lernen. Ich setze das in gleiche Relation wie Schauspielerin zu sein. Ob auf einem Pferd oder auf der Bühne, irgendetwas treibt dich an, irgendetwas fordert dich heraus.“

Sie schien, was Pferde anbelangte, ein unerschrockenes Kind zu sein. Keine Rippenprellungen noch Knochenbrüche hielten sie davon ab, wie eine Wilde daher zu reiten. Stürze gehörten zum Alltag. Austesten, Grenzen überschreiten, Limits festlegen. Eine, die Geschwindigkeit schätzt, mit Pferden oder Wörtern.

Anstatt mit Puppen zu spielen, hatte Lauren einen Stall mit 37 Plastikpferden. Sie konnte die besten Pferdefilme wie aus der Kanone geschossen aufzählen (allen voran „Black Beauty“) und las mit Vorliebe Bücher von Mädchen, die gerne ein eigenes Pferd hätten.

Faszination Pferd! Ich kann persönlich nichts Erhellendes zur diesem Phänomen beitragen und hole mir deshalb Rat bei Einem, der es wissen könnte, Johann Wolfgang Von Goethe schreibt:

„Wie der Mensch sich körperlich niemals freier, erhabener, begünstigter fühlt als zu Pferde, wo er, ein verständiger Reiter, die mächtigen Glieder eines so herrlichen Tieres, eben als wären es die eigenen, seinem Willen unterwirft.“
 
   
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  Die nächsten 10 Jahre  
     
  Die 80er Jahre: Popkultur, Frisuren mit Haarspray zu Kunstwerken aufgesprüht, ein junges Mädchen mit Namen Madonna räkelte sich lasziv auf einem Boot und sang„Like a Virgin“, Nena hatte ihren ersten Nr. 1 Hit in Amerika mit „99 Red balloons“.

In der Ukraine ereignete sich der Supergau mit einem Atomkraftwerk, der Kalte Krieg zwischen Amerika und der damaligen UdSSR bestimmte die Medien und das Lebensgefühl. Szenaren über einen möglichen Atomkrieg flimmerten über die Kinoleinwände.

Ob das die Schülerin Lauren Graham auf der Langley Highschool in McLean/VA besonders bewegte, wissen wir nicht. Ihre Lieblingsfilme in der Zeit waren die Horrorstreifen „Freitag, der 13“ und „Halloween“.

 
 
Bild vergrößern   Auf den Schulbildern der Zeit sieht man ein Mädchen mit Spange, Sommersprossen und einem freundlichen Lächeln. Sie ist fast die Größte in ihrer Klasse, Größer als mancher Junge. Keine Teenager-Schönheit, keine „Miss Schulball“. Aber schlagfertig, immer für einen guten Spruch zu haben. Humor als Strategie, um über Unsicherheiten hinwegzukommen.
 
     
  Sie spielte in der Schultheatergruppe, bekam stets die Hauptrollen, u.a. in der Musical-Produktion „Hello Dolly“, halb wahnsinnig vor Lampenfieber stand sie auf der Bühne und sang sich die Seele aus dem Leib.

Sie las gerne und viel. Bücher wurden ihr persönlicher Zufluchtsort. Lauren hatte immer ein Buch dabei, für den Fall, dass es ihr langweilig werden könnte.

Entwicklungen schritten voran: nicht alle Fragen des jugendlichen Lebens konnten vom Vater beantwortet werden. Fragen nach Schmink-Tipps, nach Mode und Styling, all das war verständlicherweise für Lawrence fremd.

Noch weniger konnte er die „Selbstversuche“ in Sachen Make-up gut heißen. Lauren trug zwar weiterhin Jeans, Sweatshirts und Turnschuhe. Doch nun hatte sich etwas grundlegend verändert: die Dinge, über die Vater und Tochter noch vor einem Jahr gemeinsam gescherzt hatten, nahm sie nun bitter ernst. Die Pubertät war im vollen Gange.

 
 
Bild bei Klick vergrößern   Wie viele Mädchen in diesem Alter empfand Lauren sich nicht als hübsch, durchlief die typische „Ugly Duck“ Phase – doch aus manch hässlichem Entlein wurde dann doch ein schöner Schwan! Ihre Skepsis bezüglich ihres Aussehens hat sie sich bis heute bewahrt. Übermäßigem Interesse an ihrer „Schönheit“ begegnet sie mit Ironie, bezeichnet ihr Gesicht als „typisch für einen irischen Farmer“.
 
     
  Im Hause Graham vollzog sich 1981 ein entscheidender Wandel: Lawrence heiratete erneut. Endlich kam eine Frau in den Haushalt, Karen, die verstand, dass die Farbe des Lippenstifts den Tag retten konnte, die Frisur stimmen muss und dass man eine kaputte Hose nicht tackert, sondern näht.

Lauren hat gute Worte über ihre Stiefmutter und warum sollen sich Geschichten mit bösen Stiefmüttern immer wiederholen?

Sie ist 14 Jahre alt, lebte 10 Jahre als Einzelkind mit ihrem Vater in ihrer eigenen Umlaufbahn und nun hatte sich Nachwuchs angesagt in der „neuen“ Familie Graham. War Lauren glücklich über ein kleines Geschwisterchen? War sie eifersüchtig? Jedenfalls: aus dem Einzelkind, das „nie gelernt hatte zu teilen“ wurde plötzlich eine große Schwester.

Sie wird Teil einer Patchwork-Familie, Donna, zwischenzeitlich in England lebend, bekam nochmals eine Tochter Shade und Karen und Lawrence vervollständigten ihrerseits die Familie mit Tochter Maggie und Sohn Chris.

Im Jahr 2005 stirbt Donna Grant. Ein 3/4 Jahr später macht Lauren das in einem Interview publik und läßt dabei keinen tiefen Blick in ihre Seele zu.

Öffentlich präsentiert sie sich als Familienmensch, freut sich über die guten Beziehungen, die sie mit ihren jüngeren Geschwistern pflegt (ihre englische Stiefschwester nahm sie kurzzeitig nach dem Tod der Mutter bei sich in Los Angeles auf).

Tiefenpsychologische Entwarnung: keine frühkindliche Traumatisierung durch die Scheidung und den Verlust der Mutter als Bezugsperson. Keine Verkorksung durch die zwangsweise Konzentrierung auf den Vater, kein übersteigerter „Elektra-Komplex“.

Aber dennoch: dieser junge Mensch schien ausgestattet zu sein mit einer starken Vorstellungskraft und einem Talent, Menschen zum Lachen zu bringen und zu unterhalten.

Der Psychoanalytiker C.G. Jung sieht die schöpferische Kraft von Künstlern in ihrer inneren Zerrissenheit, in ihren bewussten oder unbewussten Konflikten. Daraus ziehen sie ihre Bilder, Visionen, die sie menschlich erlebt und verstanden haben.

„Prinzipiell unterscheidet sich die Phantasie des Künstlers von der des gewöhnlichen Menschen natürlich nicht; was aber den Künstler ausmacht, ist neben dem Reichtum, der Originalität und der Lebendigkeit der Phantasieprodukte in erster Linie seine Fähigkeit zur formenden Kraft, mit welcher er seine Einfälle gestaltet.“
 
   
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  Studium und Ausbildung  
     
  1985 machte Lauren ihren Highschool Abschluss und entschloss sich, nach New York auf die Universität zu gehen.

„In meiner Familie ist eine akademisch qualifizierte Ausbildung wichtig und von daher war es auch entscheidend, auf welche Universität ich gehen würde“.

Sie bewirbt sich an der Hochschule für Schauspiel und Musik, stellte aber fest:

„Ich sollte mehr lesen und mich bilden, bevor ich mich auf dem Boden rumrolle und so tue, als wäre ich ein Löwe.“

Sie wechselte auf das anerkannte Barnard College/Manhattan, Teil der Columbia Universität und daher vergleichbar mit Havard oder Yale. Das besondere an Barnard: es ist ein reines Frauen-College. Lauren schrieb sich im Hauptfach Englisch ein und studierte fortan amerikanische Literatur. Was lag näher, Bücher waren seit je her ihre stillen Begleiter.

New York! Die Stadt, die niemals schläft. Die Stadt, in der Aufstieg und Fall so eng beieinander liegen, wo Träume gesponnen werden und ebenso verrinnen. Wie viele junge Menschen gehen nach New York an Schauspielschulen, wie viele enden als Kellner in billigen Bars? New York, Sammelbecken vieler Kulturen, alles ist möglich, keine Limits, aber auch ein ständiger Überlebenskampf.

Lauren erging es nicht besser, diese Zeit ist von ständiger Geldknappheit geprägt. Da sie nicht auf dem Campus wohnte, fehlten ihr sogar ab und an die paar Cent, um mit der U-Bahn zu fahren.

Warum die Familie als finanzieller Unterstützer nicht einsprang? Man kann nur spekulieren. Vielleicht stand ihr Vater auf dem Standpunkt, dass man sich im Leben die Dinge hart erarbeiten muss, dass man nichts geschenkt bekommt.

Lauren schloss ihr Studium erfolgreich ab (Bachelor in Englisch). Die Schauspielerei betrieb sie „nebenher“, spielte u.a. in einer freien Theatergruppe und sang in einer A-Capella Gruppe "The Metrotones".

Ironie des Schicksals: ihr erster „bezahlter“ Job war eine Videoproduktion als Präventionprojekt gegen Teenager-Schwangerschaften. "Lorelai Gilmore" ließ schon mal aus einer fernen Zukunft grüßen.


Ein Agent war nicht zu bekommen und ohne Agent ist man als Schauspielerin nichts. Denn Agenten besorgen Jobs, planen Karrieren. Hier stellt sich nicht die Frage nach Talent, hier stellt sich die Frage nach Vermarktung.

Lauren konnte sich nicht platzieren, hetzte zwischen Kellner-, Bibliothekars- und Verkaufsjob im Luxus-Kaufhaus „Barneys“ hin und her.

„Für Barneys hatte ich nicht die richtigen Klamotten und sie waren so nett und sagten, ich könne mir was ausleihen.“

Frust machte sich breit, kein Silberstreif am Horizont, kein Agent, keine Rolle, kein Geld, kein Vorankommen.

Sie entschied sich nochmals für eine Ausbildung, diesmal im Fach Schauspiel an der Southern Methodist University in Dallas/Texas.

Die Southern Methodist University genießt einen hervorragenden Ruf im Bezug auf Schauspiel-Ausbildungen. Zudem bietet diese Universität am Ende der Studienzeit ein besonderes Casting an, die so genannten „Showcases“, an dem u.a. Agenten teilnehmen, um neue Talente zu verpflichten.

Drei Jahre verbrachte sie an der Southern Methodist University (Abgang 1992) und schaffte am Ende tatsächlich den Sprung in den „Showcases“.

Jetzt hatte sie nicht nur einen „Bachelor“ in Englisch, sondern auch noch einen „Master Degree“ in Schauspiel. Und sie hatte einen Agenten! Jetzt konnte es nur aufwärts gehen.
 
     
 
  Doch erstmal ging es auf die Couch! Nicht zur Therapie, auch nicht auf die „Besetzungscouch“, sondern bei ihrer Tante in Long Beach, ca. 20 Km von Los Angeles entfernt. Die unkomfortable Schlafgelegenheit war Ausdruck eines fehlenden Jobs. Lauren machte Werbung für Geschirrspülmittel, zwängte sich in das stickige Plüschkostüm des Maskottchen „Striker“ bei der Fußballweltmeisterschaft 1994.
 
     
  Letzteres ist immer eine gute Anekdote wert: Ihr Agent rief sie an und fragte, wie groß sie denn eigentlich sei. Lauren, stolze 1,80 m, konnte sich nicht recht erklären, warum ihr Agent freudig meinte „Dann passt du ins Kostüm“. Angekommen, wo sie gebucht wurde, „um 1,80 m zu sein“, erkannte sie die wahre Natur des Jobs. „Striker“, ein Hunde-Maskottchen, sollte zur allgemeinen Erheiterung bei der Fußballgemeinde beitragen.

Den Job teilte sie sich mit noch einer Frau, die aber in dem Kostüm unglaublich schwitzte und so schlüpfte sie immer wieder in das „durchtränkte“ Plüschfell mit überdimensioniertem Kopf. So abgeschottet von der Welt „lächelte“ sie brav für jedes Foto, dass Fußballfans mit ihr machen wollten. Manche Karrieren starten wirklich im Dunklen!
 
     
  Das Leben auf der Couch bei der Tante musste ein Ende haben, Laurens Perspektiven schienen mal wieder gleich Null.

Sie zog mit Connie Britton, einer Schauspielkollegin, in ein völlig unmöbliertes Haus in LA. Ein Leben in spartanischer Kargheit, angeblich nur eine Pfanne im Haus, Gäste saßen auf dem Boden.

Wir schreiben das Jahr 1995, Lauren landete ihre erste „größere“ Rolle als Shelly in der Serie „Caroline in the City“. Shelly ist eine Frau von bestechender Einfältigkeit mit piepsiger Stimme. Keine großartige Charakterstudie, aber zumindest ein Job im Fernsehen. Wobei: bei der Fülle der ständig neu erscheinenden Serien verliert sich der Zuschauer zunehmend in der Auswahl.

Das Gesetz der Quote schlägt hier gnadenlos zu. In den kommenden 5 Jahren wird Lauren in verschiedenen Fernsehserien kurze Gastauftritte absolvieren. Eine größere Rolle schien ihr nicht vergönnt und manche dieser Shows war nur ein kurzes Dasein beschieden.

Ihr hängt auf einmal ein seltsamer Ruf an: sie gehört zu den Schauspielern, deren Serien regelmäßig floppen. Misserfolg als Markenzeichen? Schon witzelt man, Lauren Graham zu verpflichten besiegelt das schnelle Ende einer Serie. Ein Stigma, das sie selbst nur schwer verdauen kann.
 
   
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  Beam me up, Amy…….  
     
  New York, 16. März (!) 2000: entnervt saßen Produzenten und Casting-Chefs zusammen. Wie viele Schauspielerinnen hatte man schon gesichtet, um die Rolle der Lorelai Gilmore zu besetzten? Sie hatten den Überblick verloren.

Diese Schauspielerin musste witzig und schlagfertig sein, musste Charme besitzen, die nötige Ironie und Sarkasmus mitbringen, um die ausgetüftelten Dialoge entsprechend „rüber zu bringen“. Sie musste jung sein, aber nicht zu jung, sexy, aber kein Playmate-Verschnitt. In dieser Altersklasse gibt es unzählige Schauspielerinnen, aber keine hatte bisher das Team überzeugt. Eine Woche vor Drehbeginn, ansonsten alles klar, nur nicht die Hauptrolle. Ein Horrorszenario!

Und dann kam Lauren Graham!

„Wir haben sofort gewusst, dass ist es, SIE ist es“, erzählt Produzentin und geistiger Kopf für „Gilmore Girls“ Amy Sherman-Palladino in einem Interview.

Amy Sherman-Palladino, Jahrgang 1966, ist eine unkonventionelle Frau. Eigentlich wollte ihre Mutter, dass sie Tänzerin wird, doch Amy schloss sich nach dem Highschool-Abschluß einer Comedy-Truppe „The Groundlings“ in LA an und arbeitete später 4 Jahre als Schreiberin für die Erfolgsserie „Roseanne“. Amy ist verheiratet mit Daniel Palladino, Mit-Produzent von "Gilmore Girls".

Mancher Ideen werden in einem beiläufigen Nebensatz geboren. So auch diese! Bei einem Arbeitsgespräch im Hause Warner Brothers erwähnte Amy u.a. eine Idee über eine außergewöhnliche Mutter-Tochter-Beziehung, die nicht im klassischen Sinne wäre, sondern im Stile von Mutter und Tochter als Freundinnen. Sie hatte das einfach so dahin gesagt und die Verantwortlichen von Warner sprangen an. Nun war Amy gefordert, sie sollte eine neue Show kreieren.

Der Inhalt der Serie:

Lorelai Gilmore, Tochter aus einem konservativen und reichen Hause wird mit 16 Jahren ungewollt schwanger, dreht dem Elternhaus den Rücken zu und zieht ihre Tochter Rory alleine groß. Ihr Verhältnis zu ihren Eltern, Emily und Richard Gilmore, ist mehr als zerrüttet, beide können den „Nicht-standesgemäßen“ Werdegang ihrer Tochter nicht überwinden. Besonders mit ihrer Mutter Emily hat Lorelai große Meinungsverschiedenheiten.

Dieser ständige Konflikt bildet das Gerüst der Serie. Lorelais Beziehung zu Rory wird hingegen getragen von Verständnis und freundschaftlichem Miteinander. Die beiden wirken eher wie eine studentische Wohngemeinschaft oder wie zwei Schwestern.

Ort der Handlung: Stars Hollow, ein kleiner, fiktiver Ort im Bundesstaat Connecticut mit seinen liebeswürdigen Einwohnern, die alle auf ihre Art verschroben wirken. Es scheint, in Stars Hollow kann das Böse nie Einzug halten.

Der Pilotfilm zu "Gilmore Girls" wurde in Toronto/Kanada gedreht, die eigentliche Serie auf dem Warner Broth. Areal in Burbank/CA.

Alexis Bledel spielt Rory, die mit ihrer ruhigen, besonnenen Art als Gegenpol zu ihrer meist ausgeflippten Mutter agiert. Rory, bei Beginn der Serie 16 Jahre alt, ist eine gute Seele, bei allen beliebt, vernünftig, eine Musterschülerin. Sie liest gerne, interessiert sich für Musik und Kultur, mag keinen Sport und sitzt am liebsten mit ihrer Mutter essend vor Videofilmen oder in Luke´s Diner. Die beiden bilden ihre eigene kleine Welt in Stars Hollow.

 
 
Bild bei Klick vergrößern   Alexis, Jahrgang 1981, ist für die Serie ebenso ein Glücksgriff wie Lauren. Mit ihren großen Augen und ihrem niedlichen Gesicht erinnert sie an die junge Audrey Hepburn, mit der sie auch ihr TV-Großvater Edward Hermann (Richard Gilmore) vergleicht.
Obwohl sie praktisch keine Fernseh- und Schauspielerfahrung hatte, bekam sie die Rolle auf Anhieb.
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  Doch was verblüfft, ist die Chemie zwischen „Mutter und Tochter“, zwischen den Schauspielerinnen Lauren und Alexis.

Was so leicht und natürlich aussieht, ist für beide Frauen harte Arbeit. Denn professionell hin oder her – wenn man sich gar nicht kennt und ein inniges, liebevolles Mutter-Tochter-Verhältnis binnen weniger Tage glaubwürdig verkörpernsoll, haben auch Schauspieler ihre Berührungsgrenzen.

Beide empfanden die ersten Wochen in dieser Hinsicht als „strapaziös“: Promotionbilder wurden geschossen, Wärme auf Abruf, Sympathie im Schnellformat. Beziehungen müssten eigentlich langsam wachsen, hier ist keine Zeit dafür, hier wird produziert: 16 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, an einem Set, überfüllt mit Menschen. Privatsphäre gegen Null.

Alexis ist gerade 19 Jahre alt, als sie mit „Gilmore Girls “ anfängt, das erste Mal von zu Hause weg, ohne ihre eigene Familie, die sie sehr vermisst. In einem Business und in einem Tagesgeschäft, das ihr fremd ist.

„Für Alexis war das ein riesen Sprung, den sie da gemacht hatte“, sagte Lauren in Interviews. „Das wäre für Jeden ein unglaublicher Schock, aber in so jungen Jahren, das ist Wahnsinn“.

Beide betonten von Anfang an ihre gute Beziehung, die sie auch auf und neben dem Set pflegen. Der Altersunterschied zwischen Lauren und Alexis ist gleich zu dem zwischen Lauren und ihrem nächsten Halbgeschwister.

Trotzdem scheinen die beiden privat charakterlich völlig unterschiedlich zu sein, was auch ihre Schauspielkollegen bestätigen. Auf ihre „Chemie“ mit Alexis angesprochen mutmaßt Lauren, dass es in ihrer Gegensätzlichkeit liegen könnte, die sich auch in ihren Geburtsdaten ausdrückt, Alexis hat am 16. September Geburtstag, also genau 6 Monate nach Lauren.

 
 
Bild bei Klick vergrößern   Mögen Astrologen in den Sternen Erklärungen suchen, Sonne und Mond gegeneinander aufwiegen, Tatsache ist: diese Mutter-Tochter-Beziehung war ein Erfolg.
 
  "Gilmore Girls" ist eine Serie, die aus dem Rahmen fällt. Das liegt zum einen an der Textmenge, die in einer Folge verarbeitet wird. Kommen gängige 1-Stunden Serien mit ca. 50 Seiten aus, ist ein "Gilmore Girls" Script meistens um 80 Seiten lang.

Das bedeutet, dass die Menge Text in schnellerem Sprechtempo aufgesagt werden muss. Zudem sind die einzelnen Szenen länger, vergleichbar mit Theaterdialogen und werden am Stück gedreht. Die Schauspieler müssen sehr exakt arbeiten.

„Arbeit, eine Menge Arbeit“, wie es Lauren immer wieder formulierte. Nicht enden wollende Drehtage. Am Ende eines jeden Tages geistige Erschöpfung. Ein Sprachtrainer half anfänglich das Tempo zu erhöhen. Mehr Wörter pro Minute oder wie es Paris Geller (gespielt von Liza Weil) in einer Folge auf den Punkt brachte: „Wir müssen an deinem WPM arbeiten“ (Wörter pro Minute).

Das Konzept der Serie baut neben der Sprachgeschwindigkeit auf einen weiteren Pfeiler, die so genannten „Gilmore-isms“, Anspielungen auf Filme, Musik, Literatur. Da liest Rory Klassiker wie James Joyce „Ulysses“, bei Tisch unterhält man sich über Prag und Franz Kafka und darüber, dass man wie "Godot" wartet.

Für die Zuschauer ist es ein besonderer Spaß diese „Gilmore-isms“ ausfindig zu machen und das eigene Wissen zu testen.

Und Gilmore Girls lebt von seinem schrägen Humor, von den bissigen Dialogen. Die volle Bandbreite der Komik von schnödem Slapstick bis feinsinnigen Wortspielen wird ausgereizt.

Was dem aufmerksamen Zuschauer auch nicht entgeht, ist das so genannte „Produktplacement“. Beispiele: Rory bekommt zum Geburtstag einen Apple-Computer geschenkt, die Vorteile eines Volvos als Familienauto werden ausführlich diskutiert, Toblerone als einzig wahre Schokolade angepriesen und Google als Suchmaschine erwähnt („Emily, ich google dich mal“). Bekanntermaßen ist „versteckte“ Werbung die beste Werbung und in diesem Fall bestens Zielgruppen-orientiert platziert.

Wie jede Serie musste sich auch "Gilmore Girls" erst einmal „finden“: der Pilot wurde doppelt gedreht, da Korrekturen im Cast vorgenommen wurden. Am 5.10.2000 wurde "Gilmore Girls" in den USA das erste Mal ausgestrahlt, Sendeplatz Donnerstagabend um 20.00 Uhr und lief damit direkt gegen die Erfolgsserie „Friends“! Die Quote war nicht schlecht, sie lag bei 4,6 Millionen Zuschauern.

Lauren war sicher, im Dezember wäre „die ganze Sache rum“, denn die Konkurrenz war zu hart. Zwar waren sich Fernsehkritiker einig, dass hier eine Serie auf „The WB“ (Hauskanal von Warner) laufen würde, die Substanz, Humor und clever wäre. Aber das typische WB-Publikum waren junge Leute im Alter von 12 bis 34 Jahren.

Würde a.) dieses Publikum gefallen an der außergewöhnlichen Mutter-Tochter-Beziehung finden und b.) würden auch „ältere“ Zuschauer sich auf WB „verirren“, denn immerhin sollte "Gilmore Girls" 3 Generationen ansprechen?

Die erste Staffel blühte mehr im Stillen, fand seine (kleine) Fanbase, überzeugte Kritiker, aber die Quote, immer die Quote. Gilmore sank in der ersten Staffel auf durchschnittlich 3,5 Millionen Zuschauer. Doch schon in der 2. Staffel konnte man sich auf 4,8 Mio. verbessern. In der 5. Staffel lag man durchschnittlich um 5,39, gehört bei WB zu einer der erfolgreichsten Serien.

Um dem harten Konkurrenzdruck zu entweichen, verlagerte man den Sendeplatz von Donnerstag- auf Dienstagabend. Später fusionierte "The WB" mit einem weiteren Sender und daraus entstand der neue Kanal "CW". Weiterhin Jugend-orientiert blieb "Gilmore Girls" auch für CW bis zum Schluss die erfolgreichste Serie.

Über "Gilmore Girls" könnte man sicher Bücher schreiben und daher muss ich mich hier beschränken. Im Internet finden sich zig Foren und Webseiten, die sich mit der Serie, ihren Machern und Schauspielern, über Ort und Handlung, über Outfits und Kuriositäten befassen und jeder/jede, die vom „Gilmore Virus“ erfasst wurde oder werden will, sollte sich auf den Weg ins Netz machen und nach Herzenslust stöbern. Es lohnt sich!

Für Lauren brach ein neues Kapitel in ihrer Karriere an, sie forcierte zum Star einer Serie. Dieser Status bringt einiges mit sich, vor allem öffentliches Interesse, Interviews, Presse, Fototermine. Nun scheint sich alles ineinander zu fügen. Eine Rolle, die ihre schauspielerischen Stärken beschwört, ihren Humor, ihren Intellekt, sowie ihr Timing für Komik und ein Gespür für dramatische Momente.
 
   
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  Family Television Award 2001:  
     
  … und es schallt durch den Saal:

Ladies and Gentleman, Lauren Graham!

Mit entschlossenen Schritten springt Lauren die Stufen zur Bühne hinauf, ein anerkennender Applaus breitet sich im Saal aus. Im hellen Hosenanzug nimmt sie die Auszeichnung entgegen, lächelt schüchtern, bisweilen nervös und schaut immer wieder auf einen kleinen Zettel, den sie in der Handfläche hält. Dann das typische

„Ich danke……“ und schon ist dieser Augenblick vorbei. Ein kurzer Wimpernschlag im Strom der Zeit.


Vorbote oder Ausnahme? Wie wichtig sind Auszeichnungen? Lassen wir den Oscar als höchste Weihe außen vor. 2003 erhält sie erneut den Family Television Award als beste Darstellung einer allein erziehenden Mutter in einer Serie.

2002 wird sie für den Golden Globe nominiert, es blieb leider nur bei der Nominierung. Den begehrten Preis musste sie einer anderen überlassen.

Obwohl immer wieder von Kritikern und Zuschauern gefordert, wird Lauren auch nie mit einem "Emmy" für ihre Arbeit in "Gilmore Girls", bedacht. Eine Ignoranz, die allseits auf Unverständnis stoß.
 
   
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  Ich arbeite, also bin ich……  
     
 

Um es gleich vorweg zu sagen: Millionen Menschen müssen täglich hart und lange arbeiten, Familie, Job, Verpflichtungen. Dauerbelastung ist heute angesagt und manch einer sieht sich mit einem Job konfrontiert, der ihn nicht erfreut, noch ausfüllt, von Spaß gar nicht zu reden. Aber der Schornstein muss rauchen, die Kinder brauchen neue Schuhe und das Haus muss abbezahlt werden. Der Himmel auf Erden ist manchmal eben grau.

Vielleicht erscheint es einem dann grotesk, wenn ein Schauspieler erzählt, wie anstrengend es wäre, eine Serie zu drehen, 5 Tage die Woche, bis zu 16 Stunden am Set. Und dann die Fototermine, in chicen Klamotten, perfektes Styling, lächeln, immer hübsch lächeln, um sich dann später in sein Porsche-Cabriolet zu setzen und in den kalifornischen Sonnenuntergang zu fahren.

Aber wie bei jeder Medaille, gibt es eine 2. Seite. Die sieht man zuerst nicht: wie der Otto-Normal-Mensch sich abends mit Freunden trifft, seinen Hund in Badelatschen spazieren führt oder im Supermarkt völlig unerkannt seine Kartoffelchips einkaufen kann, leben Menschen wie Lauren auf einem ständigen Präsentierteller. Dem Auge der Öffentlichkeit, repräsentiert durch Paparazzi, entgeht nichts. Wie peinlich muss es sein, wenn man gerade die Sonderpackung Tampons in den Einkaufswagen wirft und einer von hinten fragt, ob man „eben mal ein Autogramm haben könnte, weil man Gilmore Girls sooo klasse findet“ ……. Ich will es mir nicht vorstellen.

Lauren scheint sich über ihren Sonderstatus durchaus bewusst zu sein, denn sie gibt in einer Talkshow zu, dass es "sicher blöd klingt", wenn sie sagen würde, wie viel Arbeit es sei und dass sie so wenig Zeit für anderes hätte. Für Freunde, oder einen Hund (den Wunsch hat sie siich zwischenzeitlich erfüllt, heißt Hannah und ist eine deutsche Schäferhündin).

Wo wir (und damit meine ich uns, die nicht bekannt, berühmt oder entsprechend situiert sind) glauben, dass Geld und Berühmtheit einem die sonnige Seite des Lebens bescheren, lässt sich erahnen, dass der Preis womöglich ein hoher ist.

Lauren bedauert, dass sie so wenig Zeit für Freunde und Familie hat, so wenig Zeit für andere Projekte, so wenig Gelegenheit neue Menschen kennen zu lernen, Beziehungen aufzubauen.

„Es ist bestimmt kein idealer Ort an einer Preisverleihung oder Filmpremiere Menschen kennen zu lernen oder Beziehungen zu starten.“

Über Liebesbeziehungen schweigt sie sich öffentlich aus. Schwierige Gratwanderung: als Schauspielerin lebt man von den Medien und das Futter für die hungrige Meute ist das letzte Gut, das man besitzt: das Privatleben!

Sie erklärte, mit „jemandem“ längere Zeit in einer Beziehung gelebt zu haben, sich trennten, wieder zusammen kamen, um sich dann entgültig zu trennen.

Auch wird immer wieder der Name von Matthew Perry genannt, Schauspieler aus der Erfolgsserie „Friends“. Sicher ist, dass Perry ein sehr enger Freund ist. Vielleicht verhält es sich mit dieser Freundschaft wie in folgendem Zitat von Jean Cocteau, "Opium" beschrieben wird:

"Was soll man über sehr innige Freundschaften sagen, die man mit Liebe verwechseln muss und die doch etwas anderes sind, über die Grenzen zwischen Liebe und Freundschaft, über jene Zone des Herzens, an der unbekannte Sinne teilhaben und das keiner von allen..., je begreifen kann."

Lauren dementiert immer wieder Gerüchte über eine Liebesbeziehung zu Perry und erklärte eindrücklich in einem Interview bei Conan O´Brian 2007, wie wenig "romantisch" ihre Beziehung wäre. Sie gehört also weiterhin in den Kreis der „100 Sexiest Hollywood-Junggesellinnen“.


Was ist das schmeichelhafteste Kompliment, was man einer Frau machen kann? Und im gleichen Atemzug: Was ist das Sündigste, was man einem „irisch-katholischem“ Mädchen anbieten kann? Genau, eine Offerte vom Playboy!

 
 
Bild bei Klick vergrößern   Den Machern des erfolgreichen Männermagazins war „the sexiest Mother on TV“ nicht unentdeckt geblieben.
Obwohl Lauren sich anfänglich sehr geschmeichelt fühlte, ein Telefonat mit ihrem Vater ließ keinen Zweifel aufkommen, dieses Angebot würde sie ablehnen müssen.
 
     
  Sie erzählt in Talkshows, dass sie darüber nachdenkt, sich ein Tattoo stechen zu lassen oder sich den Bauchnabel zu piercen und im gleichen Augenblick macht sie sich darüber lustig, dass es wohl ein uncooler Versuch wäre „cool zu sein“.

2003 erweiterte Lauren ihren Wirkungskreis und gründete die Produktionsfirma „Good Game Entertaiment“, die in Kooperation mit Warner Bros and „The WB Network“ neue Ideen für Filme und Komödien entwickeln sollte. Unterstütz wurde sie von Sydnie Suskind, einer bekannten Drehbuchautorin.

Ein WB Verantwortlicher sagte zu diesem Deal: „Ihr exzellenter Geschmack und ihr unternehmerischer Geist sind für uns eine Bereicherung in der Liste unserer erfolgreichen Produzenten. Wir sind fest von ihrem Talent überzeugt, vor wie hinter der Kamera“.


Im amerikanischen Fernsehen gilt die „7-Staffel-Regel“ als Erfolgsbeweis. Wenn es eine Show geschafft hat, 7 Staffeln zu bestehen, dann war es ein Erfolg und man sollte immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Dieser goldenen Regel sind die Produzenten von "Gilmore Girls" treu geblieben. Obwohl heftig spekuliert wurde und monatelang die Gerüchteküche brodelte, am 4. Mai 2007 erklärte der Fernsehsender CW, man würde keine 8. Staffel produzieren wollen.

Die Fans waren darüber mehr als aufgebracht, denn der Sender gab dies nur 2 Folgen vor dem Serienfinale bekannt. Wenig Zeit, um sich auf den Abschied einzustellen. Was zurück blieb war eine Fangemeinde, die sich betrogen fühte. Die Entwicklung der Serie, hauptsächlich die Liebesbeziehung zwischen Luke und Lorelai war schlussendlich nicht nach dem Geschmack der meisten Fans.

Lauren war die Erste aus der Riege der Schauspieler, die sich zum dem Ende äußerte. Laut ihrer Aussage, war sie froh und erleichtert, dass der anstrengende Serienalltag vorerst ein Ende gefunden hätte. Sie betonte, dass sie sich schlicht erschöpft fühle.

Mit "Gilmore Girls" beendete Lauren erfolgreich ein Kapitel ihrer TV-Karriere, das, egal was noch kommen mag, ihr als Schauspielerin Reputation verschaffen konnte. Leider beendete sich mit der Serie auch ihre Produktionsfirma "Good Game Entertaiment". Viele Fans waren enttäuscht, denn man hätte gerne eine TV-Show oder Serie aus dem "Hause Graham" gesehen.
 
   
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  Ein Leben nach "Gilmore girls"  
     
 

Lauren drehte noch während ihrer "Gilmore Girls" Zeit die Kinokomödien "Evan Allmächtig" mit Steve Carell an ihrer Seite und fast zeitgleich mit Diane Keaton "Because I Said So" - "Von Frau zu Frau".

Nach dem Ende von "Gilmore Girls" beschloß sie, sich keine längere Auszeit zu gönnen, sondern sich gleich neuen Filmprojekten zu widmen. Wie ein Hund, der sich das Wasser aus dem Fell schüttelt, versucht sie der "Lorelai Gilmore" Stigmatisierung vehement entgegen zu treten.

Ihre Rollen sind jetzt die "unterstützenden Ehefrauen", die ihren Männern im Kampf mit dem Leben den Rücken freihalten sollen.

In diese Sparte passen die Filme "Birds of America" mit Matthew Perry und "Flash of Genius" mit Greg Kinnear (beide Filme sind in Deutschland bisher nicht angelaufen).

"Birds of America" erzählt die Geschichte von Morrie (gespielt von Matthew Perry), der in seinem Leben auf der Stelle tritt. Er wartet auf einen Lehrstuhl an der Uni, damit er die finanzielle Sicherheit hat, mit seiner Frau Betty (gespielt von Lauren) eine Familie zu gründen. Doch noch hat er seine Geschwister zu behüten, die auf Grund des frühen Verlusts der Eltern psychische Probleme und Eigenheiten entwickelt haben und mit ihrem Leben nicht klar kommen.

"Birds of America" ist klassisches Erzähl-Kino, produziert u.a. von Oskar-Preisträgerin Hillary Swank, die eine kleine Nebenrolle übernommen hat. Die Geschichte einer Familie, die nicht in der "Norm" paßt, aber trotzallem schlussendlich durch ihren Zusammenhalt die Krisen überwindet. Es ist eine szenische Beleuchtung der amerikanischen Mittelklasse über die Sehnsucht "dazu zu gehören" und ins Bild zu passen.

"Flash Of Genius" erzählt die wahre Geschichte über Dr. Robert Kearns, der den intervallgeschalteten Scheibenwischer erfindet, aber seine Entwicklung von der Autoindustrie abspenstig gemacht bekommt. Fortan führte er einen juristischen Kreuzzug um persönliche Anerkennung seiner Entwicklung.

Lauren spielt seine Ehefrau Phyllis, die als Mutter von 6 Kindern gegen den obsessiven Wahns ihres Ehemanns anzukämpfen versucht und ihn schlussendlich verläßt.

Es scheint, daß weiblichen Schauspielerinnen im amerikanischen Kino zurzeit eine substantielle Hauptrolle verwehrt bleibt und eigentlich nur im Fernsehen Frauenrollen angeboten werden, die nicht als "Beiwerk", sondern als Hauptperson agieren können.

Auf der Pressekonferenz 2008 für "Flash Of Genius" in Toronto angesprochen, ob Lauren Film oder Fernsehen bevorzugt, antwortet sie, dass ihr die Kombination der beiden Medien als künstlerisches Ideal vorschweben würde. Weder Komik noch Drama ausschließen, sondern sich in beiden Genres weiter zu entwickeln.

Broadway-Freud und Leid

Variationsmöglichkeiten - die Freiheit, sich künstlerisch auszuprobieren. Im Jahr 2009 erweitert Lauren ihren Aktionsradius. Nachdem der Film „Flash of Genius“ zwar kein Kassenschlager, aber ihr durchweg gute Kritiken für ihre Darstellung eingebracht hatte, erfüllt sie sich einen langgehegten Traum: in einem Musical am Broadway mitzusingen.

Scherzte sie noch vor Jahren bei David Lettermann in seiner Talkshow, dass sie einmal ein großes Werbeplakat am Broadway bekommen würde (da ihr „unglaubliches“ Leben als Musical vertont wird), so wird das mit dem Werbeplakat zumindest wahr.

Lauren übernimmt die Partie der „Miss Adelaide“ in dem Tony prämierten Musical „Guys and Dolls“ und überrascht damit gleichsam ihre Fans wie Kritiker.

Die Rolle der Nachtclub-Sängerin, die geduldig jahrelang auf die Hochzeit mit ihrem Verlobten, dem Ganoven Nathan Detroit wartet, scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt auf sie zugeschneidert zu sein.

Dass sie gerne singt und dies auch schon diverse Male für kurze Sequenzen in Filmen wie „Because I said so“ oder auch in „Gilmore girls“ bewiesen hat, ließ trotzdem ein Gefühl von Verunsicherung in ihrer Fangemeinde aufkommen.

Zudem: „Miss Adelaide“ ist Vortänzerin der Truppe „The Hotbox girls“. Lauren - Beine schwingend bis zum Himmel hoch?

„Guys and Dolls“ hatte 1950 in New York Premiere und gehört zu den Erfolgsmusicals des Broadways. Basierend auf der Musik und Text von Frank Loesser spielte es sich mit 1200 Aufführungen in die Herzen des Publikums.

Mit diesem Musical verbindet anscheinend jeder Besucher seine eigene Geschichte. Ein Kritiker schreibt, dass jeder Zuschauer im Publikum mit „Guys and Dolls“ aufwuchs, in einer Schulaufführung mitwirkte oder es in einem Gemeindetheater selbst produziert hätte.

Es ist ein Klassiker und wie es eben Klassikern zu Eigen ist, werden sie bei einer Wiederaufnahme besonders kritisch beäugt.

Das verringerte für Lauren nicht gerade den Druck, der bei einer Theaterproduktion in solchem Ausmaß unwillkürlich entsteht. Tägliches Auftreten, manchmal sogar 2 Veranstaltungen am Tag, lässt einen auf eine stabile Gesundheit hoffen.

Dennoch offenbart diese Produktion ganz neue Erfahrungen für sie. Theaterrituale, die sich über Jahrzehnte etabliert haben, wie der sogenannte „Gypsy Robe“.

Der „Gypsy Robe“ ist ein Ritus, der erstmals 1950 von Bill Bradley ins Leben gerufen wurde. Schauspieler und Sänger werden auf Grund ihres unsteten Lebens als „Zigeuner“ bezeichnet. (Dieser Ausdruck ist nicht als Diskriminierung von Sinti und Roma zu verstehen.)

Bradley schickte seinerzeit ein Kostüm mit einer aus Federn bestehenden Rose an einen Kollegen in dem Musical „Call Me Madam“. Dieser trug mit einem Gruß versehen dieses Kostüm wieder in die nächste Produktion und so machte es die Runde.

Die Ausübung des „Ritus“ vollzieht sich vor der Premiere auf der Bühne: Derjenige, der am längsten am Broadway gearbeitet hat umrundet das Ensemble 3-fach gegen den Uhrzeigersinn mit dem „Gypsy Robe“. Die Ensemblemitglieder berühren einzeln das Kostüm; es soll jedem und der gesamten Produktion Glück bringen.

Gelebte Tradition an einem Ort, der auch immer schwerer gegen die starke Konkurrenz der Hightech-Medien und Unterhaltungsindustrie ankämpfen muss.

Doch diese Inszenierung von „Guys and Dolls“ nimmt die heutigen multimedialen Möglichkeiten mit ins Boot. Eine große Leinwand überspannt die Bühne, auf die Video-Sequenzen und Bilder eingespielt werden, um die Atmosphäre von New York in den 1930er Jahren wiederzugeben.

Um es vorweg zu sagen: nach 4 Monaten und 113 Aufführungen war für „Guys and Dolls“ im Nederlander Theater Schluss.

Kritiker, allen voran die New York Times, schießen sich gegen die Inszenierung ein. „Als seelenloses multimediales Spektakel“ wird es bezeichnet. Dem Ensemble bestehend aus Oliver Platt, Craig Birko und Kate Jenning Grant, stellt man ein eher durchwachsendes Zeugnis aus.

Lauren bescheinigt man immerhin sängerisches Talent und erfreut sich an ihrer wunderbaren Situationskomik. Dass sie auch in Korsage, Strapsen und blonder Perücke eine gute Figur macht, zeigt ihre echte Wandlungsfähigkeit.

Fans aus aller Welt reisten nach New York, um ihrem Star die Daumen zu halten und ihr allabendlich einen großen Auftritt am Bühnenausgang zu bescheren.

Ein weiterer schöner Augenblick für das Broadway Publikum: Die Stars präsentieren sich nach vollbrachter Show am Bühnenausgang, Autogramme werden geschrieben, für Bilder posiert.

Fleißiges Bienchen fliegt weiter! Während ihrer Zeit in New York macht Lauren einen Ausflug nach Los Angeles und drehte eine Pilot-Folge für eine geplante neue Serie:„The Bridget Show“.

Bridget (gespielt von Lauren) ist ein selbsternannter Beziehungsguru, Talkshow inklusive, die aber ihr eigenes Liebesleben nicht auf die Reihe bekommt.

Das Konzept scheint auf den ersten Blick vielversprechend, doch der Pilot kann die Fernsehschaffenden nicht überzeugen und so versinkt „The Bridget Show“ schneller, als sie aufgetaucht war.

Im Oktober 2009 kommt dann endlich die erfreuliche Nachricht in Sachen „Lauren und Fernsehen“. Sie übernimmt die Rolle der „Sarah Braverman“ in der neuen NBC Serie „Parenthood“ und löst damit Schauspielerkollegin Maura Tierney ab, die auf Grund einer Krebs-Erkrankung die Dreharbeiten nicht aufnehmen konnte.

„Parenthood“, von Ron Howard und Brian Gazer produziert, basiert auf dem gleichnamigen Kinofilm aus dem Jahr 1989. Die Familie Braverman ist eine typische amerikanische Mittelklasse-Familie, die mit den alltäglichen Sorgen des Lebens fertig werden müssen.

Man darf natürlich wieder gespannt sein, wie Lauren sich als alleinerziehende Mutter zweier pubertierender Teenager in dieser Serie profilieren wird.

In Zeiten wie diesen, wo wirtschaftliche Zusammenbrüche weltweite Verunsicherungen schaffen, besinnt der Mensch sich auf seine Kernwerte und dazu gehört „Familie“ in erster Linie. Von dieser Warte aus gesehen hat „Parenthood“ Erfolgspotential.

 
     
 

 

 
 
Bild bei Klick vergrößern   Was gewiss bleibt: mit ihrer Darstellung von "Lorelai Gilmore" hat sie ihren Meilenstein im Fernsehen gesetzt. Ob ihr das mit "Sarah Braverman" auch gelingen wird, bleibt abzuwarten. Sie wird immer mit "ihren Charakteren" verbunden bleiben. Diese Frau, mit den blauen Augen, den dunklen Haaren, der wilden Gesten und dem netten Lächeln.
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  „Rede, dass ich Dich sehe….“  
 

Wörter prasseln wie ein heftiger Gewitterregen nieder, blaue Augen funkeln, Hände klatschen vor Freude in die Luft, Haare wirbeln umher, der ganze Körper in Bewegung. Diese Energie steckt an, Freude schöner Götterfunken, was da brennt, lässt sicher kälteste Herzen erwärmen.

Um keine Antwort verlegen und doch: keine Silbe zuviel. Kein Wort unüberlegt, kein freimütiger Einblick in die Seele. Wer sie wirklich ist? Wer kann es sagen?

Ich kann sie hören, ich kann sie sehen, aber ich erkenne sie nicht. Keine stromlinienförmigen Aussagen noch politische Statements, keine lebensphilosophischen Erkenntnisse, keine Skandale, keine klebrigen Liebesbekundungen in jede sich bietende Kamera. Kein Anbiedern „an-wen-auch- immer“, einfach nett, beruhigend normal, nicht der Welt entrückt.

All das schoss mir durch den Kopf, als ich in Vorbereitung zu dieser Biografie diverse Interviews mit Lauren angesehen hatte. Ob flirtend mit Craig Kilborn oder hoffnungslos albern mit Conan O´Brien, einfach nur witzig mit Ellen oder seriös mit den Damen von „The View“: Lauren hat viele Gesichter. Sie erzählt von ihrem Vater und von ihren Freunden, von ihrem Hund Hannah und dennoch kann man sie nicht fassen.

Greift man also zur Not zum Astrologiebuch und findetüber das Sternzeichen Fisch folgende Aussage: „Die Fische sind die einzigen Menschen, die ihre wahre Natur verstehen und begreifen, nur ist es ihnen leider nicht möglich, dieses Wissen anderen mitzuteilen, weil diese sie einfach nicht für voll nehmen.“

Lauren redet viel und gerne, selbst für Amerikaner ist es anstrengend, ihrem Redefluss zu folgen. Aber was bewegt sie wirklich?

Hält sie den Irakkrieg für richtig? Sollte die Todesstrafe abgeschafft werden? Wie steht sie zu Abtreibung? Wie viel Meinung kann man sich zurzeit in Amerika als öffentliche Person erlauben? Schlimm genug, selbst „hochkarätige“ Schauspieler befürchten Repressalien, wenn sie deutlich und laut sagen, was sie denken.

Wenn sie bei Conan O´Brien von ihren Überlegungen erzählt, warum sie sich KEIN Bauchnabelpiercing machen lässt („Man müsste auch ins Sonnenstudio gehen -wer will schon einen weißen Bauch sehen- dann denke ich, wenn man DA hingeht, das gleicht einem Schrei nach Hilfe“), schwingt Ironie mit. Wider dem Schönheits- und Jugendwahn und das im Mekka der Schönheit – in Hollywood. Sarkastisches Schmunzeln von einer, die über 40 Jahre ist und im Grunde schon fürchten muss, von den ganzen 17 jährigen Busen- und Pogelifteten Starlets ausgestochen zu werden.

Als Kilborn ihr eine Beschreibung eines Reporters über sie vorliest („Haare wie Seide, strahlende Augen, Schultern, als ob Michelangelo sie geformt hätte…“) erkennt man, dass Lauren so etwas nur peinlich findet.

Vielleicht hat sie bisher nicht den passenden Interviewpartner getroffen oder die entscheidenden Fragen gestellt bekommen. Ich glaube, sie hätte tatsächlich eine Menge zu sagen.

© Koile 2010

 
   
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